Übersetzungen englischer Gedichte

Es gibt einige Gedichte im englischen, welche ich schön oder einfach auch nur klassisch finde. Auf der Suche nach Übersetzungen für Menschen, welche den Sinn im englischen nicht erfassen können, musste ich feststellen, dass es für eine Unmenge von Gedichten eben keine Übersetzungen ins Deutsche gibt. - Oder zumindest nicht im Internet, wie es Google im August 2005 kannte...

Ich veröffentliche immer das Original und die Übersetzung, auf diese Weise kann man mir zwar schnell nachweisen, dass ich teilweise Blödsinn übersetze, aber es ist dann vielleicht auch einfacher für manchen zu lernen, wie er die englischen Gedichte zu lesen hat.

Wer weiß, vielleicht mache ich einfach eine WIKI-Seite aus dem Projekt, so kann es selbsttätig wachsen und jeder kann kleinere Fehlerchen einfach korrigieren. -- Jaja, ich bin halt ein Träumer...

Mir geht es im übrigen lediglich um die sinngemässe Übersetzung der Gedichte, und nicht um Reimstil, Taktung oder Reime allgemein. :)

The Spider and the Fly

(Mary Howitt)

Original

Will you walk into my parlour?" said the Spider to the Fly, 
'Tis the prettiest little parlour that ever you did spy; 
The way into my parlour is up a winding stair, 
And I've a many curious things to shew when you are there." 
Oh no, no," said the little Fly, "to ask me is in vain, 
For who goes up your winding stair can ne'er come down again." 

"I'm sure you must be weary, dear, with soaring up so high; 
Will you rest upon my little bed?" said the Spider to the Fly. 
"There are pretty curtains drawn around; the sheets are fine and thin, 
And if you like to rest awhile, I'll snugly tuck you in!" 
Oh no, no," said the little Fly, "for I've often heard it said, 
They never, never wake again, who sleep upon your bed!" 

Said the cunning Spider to the Fly, " Dear friend what can I do, 
To prove the warm affection I 've always felt for you? 
I have within my pantry, good store of all that's nice; 
I'm sure you're very welcome -- will you please to take a slice?" 
"Oh no, no," said the little Fly, "kind Sir, that cannot be, 
I've heard what's in your pantry, and I do not wish to see!" 

"Sweet creature!" said the Spider, "you're witty and you're wise, 
How handsome are your gauzy wings, how brilliant are your eyes! 
I've a little looking-glass upon my parlour shelf, 
If you'll step in one moment, dear, you shall behold yourself." 
"I thank you, gentle sir," she said, "for what you 're pleased to say, 
And bidding you good morning now, I'll call another day." 

The Spider turned him round about, and went into his den, 
For well he knew the silly Fly would soon come back again: 
So he wove a subtle web, in a little corner sly, 
And set his table ready, to dine upon the Fly. 
Then he came out to his door again, and merrily did sing, 
"Come hither, hither, pretty Fly, with the pearl and silver wing; 
Your robes are green and purple -- there's a crest upon your head; 
Your eyes are like the diamond bright, but mine are dull as lead!" 

Alas, alas! how very soon this silly little Fly, 
Hearing his wily, flattering words, came slowly flitting by; 
With buzzing wings she hung aloft, then near and nearer drew, 
Thinking only of her brilliant eyes, and green and purple hue -- 
Thinking only of her crested head -- poor foolish thing! At last, 
Up jumped the cunning Spider, and fiercely held her fast. 
He dragged her up his winding stair, into his dismal den, 
Within his little parlour -- but she ne'er came out again! 

And now dear little children, who may this story read, 
To idle, silly flattering words, I pray you ne'er give heed: 
Unto an evil counsellor, close heart and ear and eye, 
And take a lesson from this tale, of the Spider and the Fly.

Übersetzung ins Deutsche

(Stefan Magerstedt, 2005)
"Magst Du in meine Stube eintreten?" sagte die Spinne zu der Fliege,
"Es ist eine der schönsten Stuben, die Du je erspäht hast;
der Weg in diese Stube ist diese Wendeltreppe hinauf,
und ich habe viele sonderbare Dinge, die ich Dir zeige, wenn Du dort bist."
"Oh nein, nein," sagte die kleine Fliege, "Du fragst mich vergeblich,
denn jeder der diese Wendeltreppe hinaufgeht, kommt nie wieder herunter."

"Du bist sicher müde, Liebe, so hoch fliegend;
magst Du Dich auf meinem kleinem Bett ausruhen?" sagte die Spinne zu der Fliege.
"Es sind schöne Vorhänge herumgezogen, die Laken sind fein und dünn,
und wenn Du eine Zeit Dich ausruhen magst, werde ich Dich gemütlich zudecken!"
"Oh nein, nein," sagte die kleine Fliege, "Ich habe oft sagen hören,
jeder der in Deinem Bette schläft, wacht nie wieder auf!"

Sagt die listige Spinne zu der Fliege, "Mein lieber Freund, was kann ich tun,
um Dir meine warme Zuneigung zu Dir zu beweisen, welche ich schon immer fühlte?
Ich habe in meiner Speisekammer all die schönen Dinge;
Du bist mir willkommen - möchtest Du vielleicht eine Scheibe?"
"Oh nein, nein," sagte die kleine Fliege, "mein nette Herr, das kann nicht sein,
Ich habe gehört, was in Ihrer Speisekammer ist, und das mag ich nicht sehen!"

"Süßes Geschöpf!" sagte die Spinne, "Du bist so geistreich und so weise,
so stattlich Deine hauchdünnen Flügel, so strahlend Deine Augen,
ich habe einen kleinen Spiegel in der Stube stehen,
wenn Du eintritts für einen Moment, Liebe, kannst Du Dich selbst betrachten."
"Ich danke Ihnen, vornehmer Herr," sagte sie, "für das, was sie sagen,
und ich wüsche Ihnen nun einen guten Morgen, ich werde ein anderes Mal vorbeischauen."

Die Spinne drehte sich um, und ging in ihr Heim,
denn Sie wusste, dass die dumme Fliege bald wieder da sein würde:
Also spann Sie ein feines Netz, listig in eine kleine Ecke,
und stellte den Tisch bereit, auf dem Sie die Fliege verspeisen will.
Dann ging Sie wieder aus der Tür heraus und sang fröhlich,
"Komm hierher, hierher, schöne Fliege, mit den perl- und silbernen Flügeln;
Deine Kleider sind grün und lila -- trägst eine Krone auf dem Kopf;
Deine Augen sind hell wie Diamanten, aber meine sind stumpf wie Blei!"

Ach, ach! Kaum hatte die kleine, dumme Fliege
diese gerissenen, schmeichelnden Worte gehört, kam sie langsam herangeflitzt;
mit summenden Flügeln flog sie hoch oben, näher und näher kommend,
nur an ihre strahlenden Augen denkend, an grüne und lila Farbtöne --
nur an ihren gekrönten Kopf denkend -- armes dummes Ding! Schließlich
sprang die gerissene Spinne nach oben, und hielt sie mit aller Kraft fest.
Sie zog sie die Wendeltreppe hinauf, in ihr düsteres Heim,
in ihre kleine Stube -- aber sie kam nie mehr wieder heraus!

Und nun, liebe kleine Kinder, welche diese Geschichte lesen,
unnützen, dummen, schmeichelnden Worten, so bete ich schenkt keine Beachtung:
Bei einem bösem Ratgeber, schließt euer Herz und Ohr und Auge,
und lernt von dieser Erzählung, der Spinne und der Fliege.